Vorträge

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Donnerstag, 24. Oktober 2019, 19.00 Uhr!

Dr.- Ing. Dr. h.c. Hermann Kienast:

Monumentalarchitektur im Heraion von Samos

Das Heraion von Samos ist eines der bedeutendsten Heiligtümer Griechenlands, für die Bauforschung ist es die Stätte, an der zum ersten Mal Architektur monumentaler Größe gewagt wurde. Im 6. Jh. entstand hier ein neuer Tempeltypus mit doppelter Ringhalle, der wenig später durch einen noch größeren Nachfolgerbau ersetzt wurde. Für die Opferhandlung wurde ein dem Maßstab dieses Tempels entsprechender Altar errichtet. Die beiden Tempel sind weitgehend bekannt, Neues gibt es aber zur Formentwicklung ihrer architektonischen Details. Beim Altar hingegen ist zu zeigen, dass die bisherige Rekonstruktion völlig revidiert werden muss.

Hermann Kienast war Referent für Bauforschung an der Abteilung Athen des Deutschen Archäologischen Instituts und von 1984 bis 2005 dessen zweiter Direktor. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im antiken Griechenland, und dort besonders auf den Monumenten auf Samos und in Athen.

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Donnerstag, 21. November 2019, 19.00 Uhr!

Prof. Dr. Anna Anguissola (Pisa)

Domus oder Villa? Die Gestaltung, Anlage und Ausstattung der mehrgeschossigen Wohnhäuser am Stadtrand von Pompeji

Die sog. Hanghäuser an der Südwestflanke von Pompeji thronen über der Küste und der Sarnoebene. Sie nutzen dabei die alte Stadtmauer als Fundament und erstrecken sich über mehrere beeindruckende Terrassen. Eine detaillierte Untersuchung der Planimetrie, der Architektur und der dekorativen Ausstattung dieser Gebäude ermöglicht es uns, grundlegende Fragen in Bezug auf römische Wohnhäuser neu zu stellen, beispielsweise Fragen nach der Typologie und Funktion der Wohnräume und nach ihrem Verhältnis zueinander.

Anna Anguissola war Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Graduiertenschule „Distant Worlds“ der LMU München und ist nun Professorin für Klassische Archäologie an der Università di Pisa. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der griechischen und römischen Skulptur sowie auf der Archäologie der Vesuvregion.

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Winckelmann-Feier


Donnerstag, 12. Dezember 2019, 19.00 Uhr!

Prof. Dr. Marcello Barbanera (Rom)

Ranuccio Bianchi Bandinelli. Archäologie und Kultur in Italien vor und nach dem zweiten Weltkrieg

Mit dem Ersten Weltkrieg ging eine Epoche der italienischen Archäologie zu Ende. Die philologische Archäologie fand ihre Verteidiger nur noch unter der alten Generation, ansonsten folgte die Disziplin unterschiedlichen Direktiven wie positivistischen Ansätzen oder der philologischen Archäologie, und in einigen Bereichen setzte sich der Idealismus Benedetto Croces durch. Dies waren auch für Ranuccio Bianchi Bandinelli (1900-1975) die Lehrjahre an der Universität, dessen Einfluss auf die italienische Archäologie wiederum prägend werden sollte durch. Nach seiner Doktorarbeit über Clusium, regte sich Bianchi Bandinellis Interesse für die römische Kunst, die ihn für die längste Zeit beschäftigen sollte. Sie wird bereits im Spannungsfeld von hellenischem Element und italischem Beitrag gesehen. Die etrusko-italische Strömung wird also als ein grundlegender Bestandteil der römischen Kunst gesehen, über ihre gesamte Entwicklung hinweg, bis in die Spätantike und den Übergang in die mittelalterliche Kunst. Bianchi Bandinelli war eine emblematische Figur im Panorama der Kunstgeschichte und der italienischen Kultur, der nicht nur grundlegende methodische und kritische Vorschläge auf dem Gebiet der etruskischen, römischen und griechischen Archäologie vorgebracht hat, sondern auch bedeutende Eingriffe in die Rolle und Funktion des Archäologen als Historiker, in das Verhältnis zwischen philologischer Untersuchung, stilistischer Interpretation und sozialer Kunstgeschichte. Geborener Aristokrat, Kommunist aus Wahl, durch historisch-kritische Untersuchungen und Überwindung der Grenzen der Ästhetik Croces nähert er sich der marxistischen Soziologie durch historischen Materialismus und leitet eine grundlegende Revision der Geschichte der klassischen Kunst ein. Durch diese außergewöhnliche intellektuelle Figur die, ein intensives Leben mit wichtigen Begegnungen getrieben hat, kann man eine ganze Epoche der italienischen Kultur rekonstruieren.     


Marcello Barbanera ist Professor für Klassische Archäologie an der Università La Sapienza in Rom. Längere Forschungsaufenthalte führten ihn nach Paris, Berlin, New York und Köln. Seine Forschungsinteressen liegen besonders im Bereich der griechischen Kunst und Archäologie sowie der Rezeptionsgeschichte der Antike.

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Donnerstag, 16. Januar 2020, 19.00 Uhr

Prof. Dr. Michael Heinzelmann (Köln)

Ostia, Portus, Rom. Neue Beobachtungen zur größten Handelsdrehscheibe der antiken Welt

Ostia, die bekannte Hafenstadt Roms an der Tibermündung, stand wirtschaftlich lange im Schatten des bedeutenderen Puteoli. Erst mit dem Bau des trajanischen Hafens in Portus erlebt die Stadt einen spektakulären Aufschwung, der Ostia für etwa hundert Jahre zur größten Handelsdrehscheibe des Mittelmeerraums werden lässt. Doch bereits im 3. Jh. kommt es zu einem dramatischen Kollaps und Ostia versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse wird in dem Vortrag die ungewöhnliche Entwicklung Ostias nachgezeichnet und mögliche Ursachen und Mechanismen für die spezielle Rolle der Stadt im Mittelmeerhandel diskutiert.

Michael Heinzelmann ist Professor für Klassische Archäologie an der Universität zu Köln. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Archäologie der hellenistisch-römischen Zeit, insbesondere auf Fragen des Bestattungswesens und der Urbanistik. Neben seinen Forschungen in Ostia, arbeitet er in Alexandria, Amiternum, der Oase Siwa und dem Pantheon in Rom.

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Donnerstag, 30. Januar 2020, 19.00 Uhr

Dr. Philipp Kobusch (Kiel)

Der Innenraum griechischer Tempel - ein Ort rituellen und sozialen Handelns

Obwohl griechische Tempel wegen ihrer qualitätvollen Architektur immer im besonderen Fokus der altertumskundlichen Forschung standen, ist die Funktion ihrer Innenräume weitestgehend unbekannt. Dies liegt daran, dass sich bereits im 19. Jh. die Meinung durchsetzte, Tempel seien grundsätzlich nur von Priestern betreten worden, der breiten Öffentlichkeit aber verschlossen geblieben. Dieses Postulat ist inzwischen vor allem auf der Grundlage von Schriftquellen widerlegt. In dem Vortrag sollen daher die archäologischen und schriftlichen Belege vorgestellt und ausgewertet werden, die Aufschluss über die Verwendung der Innenräume griechischer Tempel geben. Trotz eines oft sehr schlechten Erhaltungszustands, kann gezeigt werden, dass der Tempelinnenraum einer der zentrale Gebets- und Opferräume innerhalb des Gesamtheiligtums war, der oft fest in den Opferritus eingebunden war. Darüber hinaus waren Tempel aber auch Orte zwischenmenschlicher Kommunikation und konnten sogar in Verwaltungsprozesse eingebunden sein. Entgegen der verbreiteten Meinung waren griechische Tempel also besonders vielschichtig genutzte, oft sehr lebendige Räume.

Philipp Kobusch ist wissenschaftlicher Assistent am Bereich Klassische Archäologie der CAU. Im WS 19/20 vertritt er den Lehrstuhl von Annette Haug. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der antiken Nekropolen und des antiken Sakralbaus.

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Das vollständige Vortragsprogramm können sie hier downloaden:

Leitet Herunterladen der Datei einMai bis Juli

Alle Veranstaltungen finden -wenn nicht anders angegeben- in der Antikensammlung
bzw. im Vortragssaal der Kunsthalle zu Kiel statt

 

 

 

Vortragssaal, Kunsthalle zu Kiel

Düsternbrooker Weg 1, 24105 Kiel

 

Eintritt

Mitglieder der Freunde der Antike: frei

Nichtmitglieder: € 2,50

Studenten/Schüler: freier Eintritt

Beginn: 19.00 Uhr (wenn nicht anders angegeben)