Antikensammlung  
     
Plakat zur Ausstellung
 

ANTIK & ergänzt

"Una Baccante antica" aus der Skulpturensammlung Dresden

16. Mai bis 1. August 2010

Die Ausstellung erzählt die Geschichte einer antiken Skulptur, die sich heute im Besitz der Dresdner Skulpturensammlung befindet und für diese Ausstellung ausgeliehen wurde.

Die antike Statue ist in der Zeit um Christi Geburt geschaffen worden und stellt eine Hirtin oder Waldnymphe dar, die in ihrem Arm ein Rehkitz als Inbegriff des friedlichen Glücks beschützend trägt. Zusammen mit anderen Genrefiguren gehörte sie vermutlich zur Ausstattung des Peristylgartens einer römischen Villa, dessen Bildprogramm beim Betrachter die Vorstellung vom Glück einer ländlichen Hirtenidyllehervorrufen sollte.

Die Statue kam durch Verschüttung des Aufstellungsorts unter die Erde und wurde im 17. Jahrhundert in Rom oder Umgebung als fragmentierter Torso wiederentdeckt. Kardinal Flavio Chigi erwarb die Skulptur für seine Antikensammlung im Palazzo Chigi bei SS. Apostoli in Rom und ließ die fehlenden Glieder (Kopf, Arme, Beine) 1662 durch den Bildhauer Baldassare Mari in Marmor ergänzen. Der Auftrag an den Bildhauer hieß allerdings, eine "Bacchantin" zu schaffen, da sie als Pendant zu einer jugendlichen Bacchus-Statue im Palazzo aufgestellt werden sollte. So setzte Baldassare Mari der Statue einen efeubekränzten Kopf auf und gab ihr eine Traube in die rechte Hand.

Nach der Auflösung der Sammlung Chigi in Rom wurde die Statue 1728 von August dem Starken für die Dresdner Skulpturensammlung erworben und schmückte dort zuerst die Festsäle des Palais im Großen Garten, bevor die Skulpturensammlung dann im 19. Jahrhundert eine museale Aufstellung erfuhr.

Georg Treu, Direktor der Dresdner Skulpturensammlung, ließ zwischen 1893 und 1898 die barocken Ergänzungen, die die antiken Skulpturen seiner Auffassung nach zu "Cursiosa" oder "Monstra" werden ließ, wieder abnehmen. Dieses Rettungswerk wurde 1894 auch an der "Schönen Hirtin" durchgeführt, so daß der antike Torso in seinem ursprünglichen Bestand (allerdings mit glatt geschliffenen Bruchflächen) nun als museales Objekt in der Dresdner Antikensammlung im Albertinum ausgestellt wurde.

Die barocken Ergänzungen des Baldassare Mari sind in Dresden aufbewahrt worden. An den Gipsabguß des antiken Torsos montiert, kann in der Ausstellung auch der vollkommen ergänzte Zustand der barocken Skulptur als "Bacchantin", wie sie der Betrachter vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vor Augen hatte, gezeigt werden.

Weitere Fragmente von Antikenergänzungen zeigen in der Ausstellung, mit welcher Kunstfertigkeit die römischen Bildhauer für die fürstlichen Antikensammler aus einem bruchstückhaften Torso eine vollständige Statue hergestellt haben.

Die Ausstellung ist von der Antikensammlung ∙ Kunsthalle zu Kiel vorbereitet worden mit Studierenden des Faches Klassische Archäologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Eine Ausstellung in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden



 
 
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